Die Juten Jungs in der Sächsischen Schweiz

Dieser Beitrag kommt ziemlich spät, die gst 18, dann Rad am Ring, Familie – und nicht zuletzt die Arbeit nahmen aber einiges an Zeit in Anspruch. Aber zum Thema:  Die letzten Jahre verbrachten wir Himmelfahrt bzw. das entspr. lange Wochenende im Harz.  Im letzten Jahr schlug Daniel vor, dass wir auch mal woanders hinfahren könnten. So kam es 2018, dass sich zu Himmelfahrt die Juten Jungs in der sächsischen Schweiz trafen. Aus der Berliner Gegend machten wir uns zu fünft im Kleintransporter gegen 10 Uhr auf den Weg. Von der Küste fuhren fast zeitgleich weitere 3 Jungs Richtung Süden. Ich staune immer noch, dass wir 5 Räder mitbekamen (3 im Van, 2 auf dem Fahrradträger auf der Hängerkupplung). Ich hatte allerdings kurzfristig auch noch einiges zu hause gelassen…

Unser Ziel war Sebnitz, eine Kreisstadt am Rande des Nationalparks Sächsische Schweiz, genauer gesagt Ottendorf. Dort hatten wir uns in der Hütte zum Kirnitzschtal eingemietet. Die Hütte liegt inmitten anderer Häuser an einer schmalen Straße. Sie ist nicht so abgelegen, wie es die Webseite vermuten läßt.

Hütte zum Kirnitzschtal

Zunächst ging es allerdings ins nächstgelegene Lokal. Dort warteten wir bei alkoholfreiem Weizen und Gegrilltem vom Spieß auf die 3 von der Küste. Daniel und Martin waren bekannte Gesichter, Tino „der Neue“.  Nach dem Essen und Bezahlen der Rechnung ging es jetzt aber wirklich zur

Unterkunft

Während die Juten Jungs in der sächsischen Schweiz waren, kamen wir in der Hütte zum Kirnitzschtal unter. Einfach aber zweckmäßig ausgestattet. Bad mit Dusche, Toilette. Kleine Küche, leider ohne Spülmaschine. Dazu ein „Gemeinschaftsraum“ mit einem urigen Bollerjahn-Ofen. Ein großer Schlafraum im Spitzboden unterm Dach. Die Matratzen machten einen etwas durchgelegenen Eindruck – es schlief sich aber überraschend gut. Am Schlafraum dann ein kleiner Balkon. Vor der Hütte eine kleine Terrasse mit Tisch, Stühlen, Bank. Dazu eine Feuerschale und ein Grill. Zugang zur Hütte gibt es nur über eine recht lange Eisentreppe, die fast direkt auf der Straße endet. Die Parknische reicht gerade so für 2 Vans. Nachteil (neben der Treppe, wo man die Räder runter bzw hochbringen muss): es gibt keine abschließbare Abstellmöglichkeit für die Räder. Somit haben wir die Räder jeden Abend in den Gemeinschaftsraum geschafft…

Ablagemöglichkeiten oder Schränke gab es nicht…
Abends wurde es voll. Links am Rand der Bolerjahn-Ofen

Die Juten Jungs in der Sächsischen Schweiz

Der harte Kern sozusagen: Daniel und Martin von der Küste. Beides Sportskanonen, Rennrad- und MTB-Fahrer, zumindest früher auch im Verein. Nebenbei stehen bei ihnen noch Handball oder Kanu auf dem Plan. Tino war dieses Jahr der Neue, was bei ihm auf dem Plan steht, weiß ich nicht mehr… Aus der Berliner Ecke: Jens, der in der Woche recht locker 200km auf dem Weg zur Arbeit mit dem Rad zurücklegt. Dann wäre da Björn, der 2018 mit Daniel die GST in Angriff genommen hat. Dann ist da noch Frank, ehemaliger Leistungssportler und nebenbei der Älteste der Truppe *g*. Schlussendlich noch K-Jens und ich als zweitältester…

Wie angedeutet fahren Daniel und Martin seit Jahren Rad und haben auch Rennerfahrung. Mit Jens und mir waren sie 2016 und 2017 beim 24-Stunden-Rennen in Ahrensbök mit dabei. Björn war dort 2016 mit am Start. Bis auf Tino und Martin waren alle auch mehrfach im Harz mit auf Tour. Am wenigsten ist wohl K-Jens mit dem Rad unterwegs, ich schätze, dass diese Ausflüge zu Himmelfahrt fast seine einzigen Radfahrten im ganzen Jahr sind… Eigentlich kommt er nur mit, um Lars zu schlagen. Und wem es noch nicht auffiel: Lars war dieses Jahr nicht mit dabei. Auf Grund einer komplizierten, kurzfristigen Erkrankung *hust* hat er 3 Tage vorher abgesagt.

Das Revier

kann man eigentlich nicht richtig eingrenzen bzw beschreiben. Sächsische Schweiz halt,  Kirnitzschtal. Fahrradfahrer trifft man recht wenig – abseits der Radwege eigentlich gar nicht. Der Asphaltanteil war bei unseren Touren höher als im Harz. Höhenmeter kann man reichlich machen. Die Grenze zur Tschechei ist nicht weit. Dort sind die Radwege sehr gut ausgeschildert und fast schon langweilig asphaltiert – zumindest die, die wir befuhren. Auffällig war irgendwie, dass die Wegweiser auf den Rad- und Wanderwegen oft nur Angaben zu Sehenswürdigkeiten aufwiesen. Um von einem Ort zum anderen zu gelangen waren sie nicht sehr geeignet. Tagesausflüge nach Bad Schandau oder zur Festung Königstein sind locker möglich. Sebnitz ist übrigens auch jährlich Austragungsort des Sebnitzer MTB-Cups. Die Strecke dieses Rennens sind wir gleich am ersten Tag abgefahren. Ich war schon k.o. als wir an der eigentlichen Strecke ankamen…

gerade auf tschechischer Seite war alles ausgeschildert

Die Touren

Wie erwähnt fuhren wir am 1. Tag die Rennstrecke des Sebnitzer MTB-Cups ab. Dabei schneidet man schon die Grenze zur Tschechei. Durch Sebnitz ging es zur Rennstrecke, an deren Rand gerade ein Heavy Metall Festival stattfand. 

Am 2. Tag nahmen nahmen sich die Juten Jungs in der sächsischen Schweiz eine Tour Richtung Tschechei vor. Etwa 5km nach dem Start bemerkte Daniel, dass mit seinem Rad etwas nicht stimmt.  Nun ja, von eigentlich 4 Kettenblattschrauben waren nur noch 2 vorhanden. Jens hatten wir zu diesem Zeitpunkt schon verloren – er fuhr aus lauter Langeweile einen Hügel hoch und verlor uns aus den Augen. Auch das eine Tradition, die Jens seit dem Harz mehr oder weniger regelmäßig pflegt….

Daniel, Martin und Tino entschieden sich, in Sebnitz nach einem Fahrradladen zu suchen. Wie sich herausstellte, hatte dieser geschlossen. Frank, K-Jens, Björn und ich verfolgten den geplanten Weg weiter. Die anderen sind sowieso besser in Form und würden uns schnell wieder einholen. Da die Wege – hier eher Pfade – sich im Laufe der Zeit änderten, mußten wir einen recht steilen Hang durch den Wald hinauf. Das war schon fast mehr klettern als laufen. Wir hielten uns dann an die geplante Route, machten aber einen Abstecher zu einem großen Aussichtsturm.

Ein Holz-Gerüst mit Eisenverstrebungen..
Blick vom Turm

Irgendwann überfuhren wir die Kirnitzsch und damit wieder die Grenze zur Tschechei. In alter Pfadfinder-Manier hinterließen wir den Nachfolgenden ein Zeichen, in welche Richtung wir weiterfuhren. Als wir eine halbe Stunde später (nach einigen Zwischenstopps) rätselten, in welche Richtung wir weiterfahren sollten, hatten uns die anderen wieder eingeholt. Da es mittlerweile Mittagszeit war, kehrten wir ins nahe gelegene Hotel Jef in Doubice ein. Das Hotel müßte evtl. mal etwas renoviert werden – aber das Essen war sehr lecker und preiswert!

Anschließend ging es wieder Richtung Deutschland. Und endlich kam ich drauf, warum ich auf meinem Garmin nicht mehr alle Wege sehen konnte – ich hatte bei OpenMTBMap nur die Karte für Deutschland geladen, wir waren aber in der Tschechei… also schnell mal auf die original-Garmin-Karten umstellen. An der nächsten Steigung habe ich dann sogar Martin überholt! …aber der hat sich seinen Teil wohl schon gedacht und ist einfach nur sein Tempo gefahren.

Kurz darauf kam mein Einbruch, die anderen zogen von dannen, mir lagen wohl die Knödel quer im Magen. Ich bin dann mein Tempo ruhig weitergefahren und irgendwo haben die anderen auf mich gewartet. Irgendwann ging es dann wieder – jedenfalls für meine Verhältnisse. Wir fuhren auf der Rücktour wieder am Aussichtsturm vorbei – Björn und ich verzichteten allerdings auf einen erneuten Besuch. K-Jens hatte uns schon vorher verlassen und wollte sich allein auf Asphalt Richtung Unterkunft durchschlagen. Am Abend wurde an der Unterkunft dann der Grill angeworfen.

gleich wieder in Deutschland…


Die 3. Tour

Die 3. Tour führte uns Richtung Königstein. Zunächst waren einige Kilometer auf Asphalt zu absolvieren. Nach einem recht langen Anstieg trennte sich K-Jens von der restlichen Gruppe. Er wollte sich  allein Richtung Königstein durchschlagen, auf Touren durchs Gelände aber verzichten. Björn hatte an einer Stelle auf ihn gewartet und fuhr ab da der restlichen Gruppe hinterher. Irgendwann ging es dann tatsächlich ins Gelände. Teilweise fuhren wir aufgrund der dichtstehenden Bäume geradezu wie im Tunnel. Der Untergrund war hier recht steinig und durch Flechten und Moos auch recht rutschig. Wir kamen an einen Single-Trail, der vielleicht nicht verblockt war – aber wenn man die ganze Zeit einen recht steilen Abgrund zur Rechten hat, dann ist das schon…merkwürdig. 

Wir fuhren hier eine ganze Weile an – oder besser ca. 40m über der – Polenz entlang. Nach einigen Minuten kam ein Felsabsatz von ca. 2m Höhe – hier mußten die Räder hochgehoben werden. Wenn ich mich nicht irre, kletterte Daniel hoch und nahm uns die Räder ab. Wie würde Björn da durch kommen? Er fuhr uns immer noch allein hinterher…

Kurz darauf erreichten wir eine Chaussee, die uns auf den nächsten Kilometern mit einer ordentlichen Steigung „erfreute“. Unsere Gruppe zog sich ordentlich in die Länge, ich bildete das Schlusslicht. Hier erreichte mich dann von Björn die Aufforderung zu warten. Glücklicher Weise werden SMS direkt auf dem Edge angezeigt – allerdings: wer schreibt noch SMS… Wenn man das allerdings weiß, sieht das anders aus. Die anderen waren längst nicht mehr in Reichweite, so mußte ich vorerst weiter strampeln, in der Hoffnung, dass sie irgendwo warten. Das taten sie auch: an der Hocksteinschänke wurde eine kleine Rast eingelegt. Hier stieß ich wieder zu den anderen und kurz darauf kam auch Björn wieder hinzu.

Das Problem, wenn man immer hinterher fährt: die anderen warten zwar – kaum ist der Letzte aber herangekommen, geht es auch schon wieder los – die anderen haben bereits genug geruht. Also ging es schnell weiter. Zum Glück ging es jetzt vor allem bergab, einfach nur rollen lassen – eigentlich…denn hier hier stellte sich die Frage: wer rollt besonders schnell….

Bald darauf kamen wir nach Königstein. Wir kehrten im Landgasthof Müller, direkt am Elberadweg ein. Vielleicht lag es daran, dass man dort gerade Personal suchte oder daran, dass wir schon ein paar Kilometer in den Beinen hatten – aber das Essen war jetzt nicht so toll. Die Nudeln zerkocht und einfach geschmacklos. Übrigens stieß hier wieder K-Jens zu uns, der sich ja alleine durchgeschlagen hat.

fast am Fuß der Festung Königstein, die Mauern sind gerade noch erkennbar, noch vor den Häusern links fließt die Elbe

Nach dem Essen machten wir uns auf den Rückweg. Jens hatte mal wieder eine Panne – aber er ist ja geübt… Während die trainierteren der Juten Jungs noch einen kleinen Umweg fuhren, begaben sich Björn, Frank und ich letztlich direkt zur Unterkunft. Am Abend fuhren wir dann per Auto in die Tschechei und aßen so richtig lecker und preiswert zu Abend. Am Nächsten Vormittag wurde die Hütte geputzt und eingepackt – es ging wieder Richtung Heimat.

Knödel und Haxen….

Manöverkritik

Wir haben es uns leicht gemacht. Da Daniel vor einigen Jahren schon mal hier war, haben wir uns einfach an seine GPS-Tracks gehalten. So lange nichts dazwischen kommt, ist das ganz simpel. Was vielleicht fehlt: Absprachen: wo warten die anderen, wenn wir uns trennen oder verlieren? Oder wenn die Vorausfahrenden eine andere Strecke nehmen wollen? Klar, heutzutage kann man einfach anrufen, trotzdem bin ich mittlerweile der Meinung, dass ein paar klare Absprachen nicht schaden können.

Ein kleines Problem könnte der unterschiedliche Leistungsstand sein. Während es die gut Trainierten schon nerven kann, wenn sie immer warten müssen hängt den weniger gut Trainierten schon die Zunge aus dem Hals.

Was hat man also für Erwartungen? Trainingswochenende? lockere Ausfahrt? richtiger Wettkampf? Das sieht evtl jeder anders – und trotzdem schließt das Eine das Andere nicht völlig aus.

Fazit

Das waren die Juten Jungs in der sächsischen Schweiz. Es war anstrengend , schweißtreibend, ich habe stellenweise geflucht und war ziemlich fertig – aber froh, wieder dabei gewesen zu sein. Es ist wie so oft: zwischendurch fragt man sich mal, warum man sich das eigentlich antut – aber am Ende einer jeden Tour überwiegen die Glücksgefühle. Mit dem Video bin ich übrigens immer noch nicht fertig…

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