Wie man seinen Dämpfer kaputt bekommt

Gefühlt war mal wieder die Wartung des Dämpfers fällig. Eigentlich auch fast der Gabel – zumindest war mir so, als würde sie schon leicht zum Klappern neigen. Lt. meinen Unterlagen war die Gabel aber erst vor 1,5 Jahren dran. Zudem müßte ich die Gabel einsenden – da traue ich mich nicht ran. Den Dämpfer hatte ich allerdings schon mal gemacht. Dass ich den Dämpfer kaputt reparieren würde, sollte sich dann später zeigen. Zunächst war ich optimistisch. Für so etwas gibt es schließlich


Youtube-Videos…. Also frisch ans Werk. Das Youtube-Video noch mal angeschaut,

weißes helles Tuch auf die Werkbank gelegt, Küchenpapier bereitgelegt und den Dämpfer ausgebaut.

Zerlegen

Druck abgelassen und die äussere Druckkammer (für die Dämpfung/Zugstufe) aufgeschraubt. Ein Dichtungskit für Fox-Dämpfer hatte ich schon besorgt. Mein Dämpfer ist ca. Baujahr 2014, an den Dichtungen scheint sich aber seit ca. 2001 nichts geändert zu haben, auf Nachfrage teilte man mir bei Fox die (Fox interne) Teilenummer 803-00-142 mit. Damit konnte ich dann beim Shop meiner Wahl bestellen.

Dämpferkopf eingebaut. Blau: Einstellung der Druckstufe via Bowdenzug, Rot: Hebel für Zugstufe/Dämpfung

Kaum war der Dämpfer demontiert, bemerkte ich, dass die obere Buchse eigentlich fest war. Also schnell noch ein neues Gleitlager bestellt…

Dämpfer ausgebaut

Das Öl im Inneren entfernt, alles mittels Bremsenreiniger entfettet und schön gesäubert. Die Dichtungen schienen mir doch noch in Ordnung zu sein. Es war auch noch Öl im Dämpfer – also wurden die Dichtungen noch immer gut geschmiert. An die Dichtung im Kopf des Dämpfers komme ich nicht ran, hier weicht mein Dämpfer von dem im Youtube-Video ab – wahrscheinlich durch die Möglichkeit der Fernbedienung via Bowdenzug. Anders als bei Betätigung direkt am Dämpfer muss dabei automatisch eine andere Stellung gewählt werden, wenn die Zugspannung nachläßt. Das sollte noch zum Poblem werden….

Letzlich habe ich also nur die Staubkappe/Dustabsorber getauscht. Anschließend die große Kammer wieder angesetzt und Öl wie im Video vor und hinter die Dichtung gegeben. Die Kammer nur noch festschrauben – doch das war nicht so einfach. Die Dichtungen sind ja dicht. Zum einen muss ich dafür die Druckstufe zusammendrücken. Die ließ ich unverändert – da ist also richtig Druck drauf. Außerdem muss ich auch das Volumen in der äußeren Kammer zwischen den beiden (letztlich nicht getauschten) Dichtungen verkleinern. Ich habe es nicht hinbekommen…

Zusammenbau versuchen

Also nochmal das Video schauen. Da wurde was erzählt von wegen „Zugstufe ins Minus drehen“…. Ab da weiß ich nicht mehr genau, was schief lief. Habe ich Zug- und Druckstufe verwechselt? Geht meine Dämpfer durch die Übersetzung der Umlenkwippe schwerer zu komprimieren? Der reine Weg des Dämpfers beträgt bei mir nur 5 cm bei eigentlich 12 cm Federweg am Heck. Schlussendlich habe ich jedenfalls die Verstellmechanik für Zug- und Druckstufe demontiert. 2 winzige Kügelchen von ca 1mm Durchmesser lagen plötzlich auf dem Tisch – diese sind auf Federn gelagert und machen die Rasterung für die Zugstufeneinstellung. Ich habe das Ganze sogar 2 mal wieder montiert bekommen. Aallerdings habe ich es 3 mal demontiert… Wenigstens bekam ich die äußere Kammer wieder aufgeschraubt – hilft aber auch nicht weiter. War damit der Dämpfer kaputt?

noch war der Dämpfer nicht kaputt - aber schon ziemlich zerlegt
stark vergrößert – „Größenvergleich“: die Unterlage ist Küchenpapier mit Musterprägung (die Vertiefungen)

Die 3 Modi und die Dämpfung werden über einen winzigen Verstellmechanismus realisiert. Dabei ist ein Stift in einem Rohr. Sowohl der innere Stift als auch dieses Rohr kann verstellt werden. Dazu hat der rote Hebel (bei anderen ein rotes Rad) für die Dämpfung einen Excenter. Der Excenter für die 3 Fahrmodi ist im Kopf des Dämpfers untergebracht und wird mittels einer winzigen Achse – die durch den Zugstufenversteller geht – betätigt. Am anderen Ende dieser winzigen Achse ist der blaue „Knopf“ an dem bei mir der Bowdenzug montiert ist. Andernfalls ist hier ein blauer Hebel. Das Ganze kann ich kaum beschreiben. Hinzu kommt, dass das Rohr über den halben Durchmesser länger ist – als ob man quasi em Ende etwas ausgeklinkt hat.

Oben in rot: Zugstufenverstellung, die Achse vom blauen Druckstufeneinsteller darunter muss durch den roten Hebel/Excenter

Und dieses Rohr hat sich letztlich wohl verdreht. Dadurch wirkt nicht mehr der richjtige Excenter auf dieses Rohr. Diese ganze Mechanik ist in einer Bohrung mit ca 1 cm Durchmesser untergebracht. Da bekommt man eine Spitzzange rein – aber nicht geöffnet. Dieses Rohr konnte ich nicht mehr drehen. Zum Schluss kam auch noch schäumendes Öl raus… Jetzt war der Dämpfer kaputt, wirklich.

Dämpfer kaputt - spätestens, als hier Öl rauskam
In die „eiförmige“ Bohrung gehört die Welle des blauen Knopfes, der rote Excenter wirkt auf das von rechts in die Bohrung ragende „Rohr“ (hier schon verdreht) Links und Rechts der großen Bohrung die Löcher für Federn und Kugel.

und nun?

Abbruch, ich habe schnell alles gesäubert, eingepackt und ab zu Fox. Bearbeitungszeit für Dämpfer derzeit 17 Tage – Werktage… Ob das noch rechtzeitig zu unserer Stoneman-Tour klappt? Paket war 1 Tag später bei Fox als erwartet. Der Kostenvoranschlag betrug 34 € – zusätzlich zu den generellen Wartungskosten von ca. 114 €. aua…

Vorsichtshalber habe ich mich nach einem gebrauchten Dämpfer umgeschaut. Auf eine Anfrage bei Scott kam nur der Hinweis, ich möge mich an einen Händler wenden. Aber nach meinen Erfahreungen ist das bei Scott meist so. Also im Gebrauchtmarkt schauen. Es gab da wenige mit „Fernsteuerung“. Ich fand einen, der zu passen schien. Der Code (nicht zu verwechseln mit der Seriennummer) verriet, dass dieser in einem Scott Genius, Mod 2014, eingebaut war. Das Genius hat einen Federweg von 13 cm, mein Spark 12 cm. Bei beiden Modellen ist aber das Übersetzungverhältnis der Umlenkwippe unterschiedlich. Rechnet man die unterschiedlichen Federwege mit den entsprechendne Übersetzungsverhältnissen um, so kommt man bei beiden Modellen aber auf 5cm Dämpferweg. -sollte also passen.

Was war noch zu beachten? Der angebotene Dämpfer war mit 190mm Einbaulänge beschrieben. Ich kam bei meinem auf nicht ganz 180mm – bis ich auf die Idee kam, wieder Druck raufzugeben… Passte also. Ein Dämpfer in Reserve ist ja vielleicht nicht soo schlecht…

Nervenaufreibend

Eine kurze Nachfrage beim Verkäufer räumte die letzten Zweifel aus. Dämpfer bestellt, Geld bezahlt – fertig. Dachte ich zumindest. Kaum war das Geld überwiesen, kam keine Reaktion mehr vom Verkäufer. Der Dämpfer wurde nicht als bezahlt markiert und schon garnicht als versendet. Es war immer noch mein einer Dämpfer kaputt bzw. bei Fox. Auch von dort gab es übrigends keine Nachricht mehr. Beim gekauften Dämpfer tat sich auch nichts. Der Termin für den Stoneman rückte immer näher und mein Rad war nicht fahrbereit.

Ich schrieb den Verkäufer mehrfach Nachrichten über das Verkaufsportal – zunächst ohne Reaktion. Ich legte meine Fall nochmal dar, wies darauf hin, dass mein Dämpfer kaputt ist und ich das Ersatzteil dringend benötige.

Plötzlich ging es ganz schnell: der Dämpfer wurde als bezahlt und versendet markiert. Der Versand dauerte dann doch noch etwas. Eine knappe Woche vor dem Stoneman kam der Dämpfer an. Ich habe ihn eingebaut, anschließend eine Runde um den Bötz gedreht. Mehr war bis zum Stoneman nicht mehr drin.

Ein ausführlicher Test war das also nicht – und daher hatte ich beim Stoneman immer die Dämpferpumpe dabei. Der Original-Dämpfer, den ich zu Fox schickte, kam erst 14 Tage nach dem Stoneman. Es war also gut, dass ich mich um Ersatz bemüht. Schlecht war, dass ich so kurz vor einer solchen Tour meinen Dämpfer kaputt machte….


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