Zum Kyffhäuser

Endlich hat es geklappt. Nachdem ich im letzten Jahr eine Tour zur Barbarossahöhle und zum Kyffhäuser unternahm – und kläglich scheiterte – hat es diesmal geklappt. Habe ich die Fahrt letztes Jahr noch mit Mountainbike unternommen, so bin ich dieses Jahr auf’s  Rennrad ausgewichen.

Da ich auch recht bequem bin, habe ich mir die Route über komoot erstellt. Start war in Walschleben, Ziel das Kyffhäuserdenkmal. Als Rad habe ich logischer Weise Rennrad angeklickt und schon wurde mir die Route angezeigt.

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Höhen- und Straßenprofil lt. Komoot

Um es vorweg zu nehmen: es hat prima funktioniert. Ohne, dass ich mich zu sehr in die Details vertiefte, stimmte die angegebene Distanz auf den km genau (Hin- und Rückweg zusammen 120km). Auch die Beschaffenheit und die Art der Wege schienen zu stimmen. Allerdings ist mir noch nicht so ganz klar, was bei Komoot der Unterschied zwischen Straßenbelag und Asphalt ist. Damit will ich mich aber auch gar nicht aufhalten.

Start war wie erwähnt in Walschleben, einer kleinen Gemeinde in der Nähe von Erfurt. Hier in Thüringen scheint mir das Radwegenetz ganz gut ausgebaut zu sein.  Zwischen den Ortschaften ist oft ein Radweg zu finden, es gibt den Gera-Radweg und den Unstrut-Radweg. Ersterer führt durch bzw. dicht an Walschleben vorbei. Ich wollte allerdings zum Kyffhäuser, deshalb ging es zunächst Richtung Sömmerda.

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So sahen die Radwege meistens aus: ordentlich asphaltiert und weit ab vom üblichen Straßenverkehr

Zunächst auf einer kleinen, kaum befahrenen Chaussee unterwegs, bog ich bald auf ruhige Radwege ab. Eigentlich sind es eher Wege für die Landwirtschaft – aber sie sind auch für Fahrräder freigegeben und asphaltiert. Das gelegentlich Dreck oder Mist auf der Straße liegt, sollte einen nicht abschrecken. In den auf dem Weg liegenden Gemeinden ging es dann auf ruhigen Landstraßen oder Radwegen weiter. In Sömmerda selbst war es eine Mischung aus freigegebenen Gehweg und Chaussee. Direkt hinter Sömmerda kam dann wohl das, was bei Komoot als „Singletrail“ mit „losem Untergrund“ bezeichnet war. Es ging hier 300m über eine Wiese. Hier haben wohl nur ein paar Trecker oder ähnliches mal das Gras heruntergedrückt. Das war selbst mit Rennrad fahrbar.

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Durch diesen „Abstecher“ über die Wiese gelangte ich auf den Unstrut-Radweg, dem ich dann für einige km bis Griefstadt folgen konnte. Bei Gorsleben stößt man schon wieder auf die Unstrut und folgt ihr weiter in mehr oder weniger großem Abstand bis Oldisleben. Bis hierhin lagen 40km hinter mir. Bis Oldisleben alles wie gehabt: Radwege, landwirtschaftliche Wege, ruhige Ortsdurchfahrten. An den Wegen immer wieder Birnenbäume, Pflaumen oder Marillen – zu der Zeit als ich dort lang kam, waren die Marillen zwar überreif, die Birnen aber wirklich lecker.

Von Oldisleben bis Bad Frankenhausen führte wieder ein Radweg. In Bad Frankenhausen wurde es dann ungemütlicher. Ab hier fährt man auf der Straße zwischen den Autos. Es war zwar Freitags gegen Mittag aber es war doch merklich mehr Verkehr als bisher. War es, von wenigen Ausnahmen abgesehen, recht eben, so geht es nach Bad Frankenhausen richtig bergauf.

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Marktplatz in Bad Frankenhausen

Die letzten 12 km bestehen fast nur aus Anstiegen zwischen 3 und 27% (lt. Komoot). Nur auf wenigen kurzen Passagen konnte ich das Rad etwas rollen lassen bevor ich mich den nächsten Anstieg hochquälen musste. Zum Glück waren die Ferien vorbei und eben Freitag, so überholten mich auf den letzten Kilometern nur ca. 10 Fahrzeuge. Im Sommer und am Wochenende sieht das oft anders aus, die Strecke ist vor allem bei Motorradfahrern sehr beliebt.

Kurz vorm Kyffhäuser geht es dann nochmal für 2 km leicht bergab. Am Kyffhäuser selbst kann man bis zum Parkplatz weiter fahren. Zum Denkmal geht es aber kurz vorher links einen knappen Kilometer hoch (5-14%). Hier handelt es sich nur um einen Sand- bzw Splittweg dessen eine Seite gepflastert ist. Oben angekommen sind 7,5€ Eintritt fällig. Auf dem Gelände selbst erwartet einem dann das Kyffhäuserdenkmal, offiziell „Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal auf dem Kyffhäuser“. Barbarossa in Stein gehauen und Kaiser Wilhelm aus Kupferblech.

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Da sitzt der alte Rotbart….
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…und obendrüber Kaiser Wilhelm

Der Turm ist begehbar – hier kann man noch ein paar Höhenmeter machen ;-)  . Außerdem befindet sich hier der mit 176m tiefste Burgbrunnen der Welt, wahrscheinlich im Auftrage Barbarossas errichtet. Von der dazugehörigen Burg ist hingegen kaum etwas übrig geblieben.

Im eintrittspflichtigen Bereich befindet sich auch ein Biergarten mit Cafe. Ich empfehle allerdings unten am Fuße des Felsens den Bratwurststand. Nicht umsonst bilden sich dort oft lange Schlangen. Echte Thüringer Bratwurst im Brötchen für 1,5€. Möchte man anschließend wieder zum Denkmal, sollte man sich vorher beim Verlassen desselben die Eintrittskarte abstempeln lassen. Am Fuße der ehemaligen Burg bzw am o.g. Parkplatz befindet sich noch das Lokal Burghof Kyffhäuser. Das habe ich aber nicht von innen gesehen.

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grandiose Fernsicht bei schönem Wetter

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Ich fuhr die gleiche Route zurück, netter Weise ging es ja nun die ersten 10-12km bergab, hier mußt ich fast nur die Bremsen betätigen. Die restlichen rund 50km war dann aber doch wieder treten angesagt. Nach 8 Stunden bin ich wieder am Startpunkt angekommen. Die Fahrtzeit betrug inkl. einiger Fotopausen ca. 6 Stunden. Etwa 2 Stunden habe ich mich auf dem Kyffhäuser herumgetrieben und mir alles in Ruhe angesehen.

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auf dem Rückweg am Ortseingang Sömmerda: dunkle Wolken kündigen Regen an – es gab (für mich) aber nur ein paar Tropfen…
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Bis Warnemünde ist es gar nicht so weit… ;-)

Abends ging es dann übrigens in Schälers Schenke in Walschleben. Das ist ein uriges Lokal direkt an der Erfurter Straße, das von dem mittlerweile 75 jährigen Herrn Schäler geführt wird. Das Lokal ist in meinen Augen ein Geheimtipp und (noch?) nicht auf Tripadvisor zu finden. Es gibt keine eigene Internetseite (deshalb hier mal FB-Kommentare) und Kartenzahlung ist nicht möglich – das Essen aber richtig lecker und fast unseriös preiswert. Thüringer Rostbrätel mit Bratkartoffeln für unter 7 €, lecker Lamm und Klöße und anderes. Ein Biergarten mit Spielecke im Hof – besser geht kaum. So viel „Werbung “ muss dann mal sein….

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Ein Geheimtipp, nicht weit vom Gera-Radweg, wie ich finde….
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…und schon immer ein Herz für Radfahrer

Das nächste Mal, wenn ich dort unten bin, schaue ich vielleicht mal, wohin mich der Gera-Radweg führt oder ob ich mit Rennrad auch zur Barbarossahöhle komme.

Und hier die gefahrene Route:

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