Auf dem Devils Trail

Nach mittlerweile 6 Stoneman Miriquidi und der letztjährigen Blockline war mal etwas anderes dran. Also führte uns dieses Jahr unsere Tour nicht durchs Erzgebirge sondern durch den Harz. Im Harz hat für mich ca. 2014 das Fahrradfahren (wieder) etwas an Bedeutung gewonnen. Damals waren dort André, Frank, Daniel, Lars, Björn, Michael, Jens, Jensen und ich dort unterwegs. Unabhängig davon trieb sich auch Oli früher öfter im Harz herum. So hat Oli mir irgendwann Anfang 2026 via Komoot

eine Tour präsentiert und ich habe natürlich ja gesagt. Am 7. Mai brachen wir auf in Richtung Goslar. 3 Stunden 3 Minuten sollte die Fahrt lt. Navi dauern. Diese Zeit haben wir in etwa auch eingehalten.

Ziel in Goslar – besser kurz hinter Goslar – war die Harz-Lodge. Die Harz-Lodge liegt ca. 30 m neben der Hauptstraße, dank der dazwischen stehenden Bäume ist es trotzdem angenehm ruhig dort. Die Unterkunft besteht aus mehreren Gebäuden und hat einen gewissen Charme – ich kann allerdings nicht ganz erklären, warum. Es ist ein „Zwischending“ aus vermeintlich alt oder historisch, hart an der Grenze zum Kitsch. Zumindest als wir da waren, schien es eine gut besuchte Unterkunft für Motorradfahrer und Klassenfahrten zu sein. Das Abendessen war sehr gut – aber dieses Jahr haben wir wohl nicht ein einziges Mal unser Essen fotografiert.

Die Räder nahmen wir übrigens einfach mit aufs Zimmer – noch waren sie relativ sauber. Wenn ich nicht irre, erfuhr ich hier zum 1. Mal, dass der Track auf dem wir uns bewegen würden, „Devils Trail“ genannt wird. Knapp 180 km und 4400 hm lagen damit vor uns. Nach einem gemütlichen Frühstück und dem Ausschecken ging es am nächsten Tag kurz nach 9 Uhr auf den Track.

Tag 1 auf dem Devils Trail

Da es keinen Gepächtransfer gibt, mussten wir unsere Sachen für die nächsten beiden Tage mitnehmen. Bei mir waren das im Rucksack: kurze Hose, kurzes Shirt, langes Shirt, leichte Sneaker, 2 “Schlüpper”, 1 Set kurze Radsachen ( kurzes Trikot, Funktionsschirt, Bike-Shorts, Socken), Zahnbürste, Mini-Tube Zahnpasta und Mini-Flasche Duschgel. Ausserdem im Rucksack noch eine Regenjacke (nicht die Windjacke!), Helmüberzug und ein kleines, überlagertes 1. Hilfe-Set sowie eine kleine Flasche Öl mit einem winzigen Putzlappen. Dazu Ladekabel, Steckernetzteil, Brille, etwas Toilettenpappier für Notfälle. Dazu kamen noch 4 x Gel, 2 mal Magnesium und 4 Energieriegel. Am Rad meine übliche Satteltasche und 2 Trinkflaschen. Diesmal achtetet ich gleich darauf, immer etwas Salz dabei bzw in der Trinkflasche zu haben – das beugt bei mir tatsächlich Krämpfen eher vor, als Magnesium. Das Magnesium, dass ich dabei habe, sind nur Restbestände, die ich aufbrauche…

Die Zufahrt zum eigentlichen Track betrug ca 2-3 km und schon hier ging es stets bergauf. Auf dem Track selbst ging es natürlich weiter bergauf, in etwa 1,5 Stunden lang mit Steigungen zwischen 4 und 14% lt Komoot. Mir ging es noch ausgesprochen gut und ich fuhr sogar vorneweg – aber wahrscheinlich hat Oli sich auch nur zurückgehalten. Das Wetter war recht kühl, es ging mit ca 5 Grad am Morgen los. Der Himmel war bedeckt, es war und blieb aber trocken – für uns ungewohnt gutes Wetter. Oli startete lang-lang und mit Jacke. Ich begann kurz mit Knielingen und langem (aber dünnem) Trikot und kurzärmligen Funktionsshirt drunter.

So kenne ich den Harz, lange, breite Schotterpisten

Knapp 80 km waren für diesen Tag geplant. Nach den ersten 1,5 – 2 Stunden ging es angeblich (lt Komoot) bergab Richtung Clausthal-Zellerfeld. An so eine lange Bergabfahrt kann ich mich nicht wirklich erinnern. Im Ort führte die Route dann etwas uninspiriert durch ein paar Nebenstraßen, die man auch hätte weglassen können. Hier gab es kein Lokal und auch sonst nichts zu sehen. Es ging sogar einmal verkehrt durch eine Einbahnstraße wenn ich mich recht erinnere.

Kurz hinter Clausthal-Zellerfeld machten wir eine kurze Pause an einer ummauerten Bachführung. Ich nahm ein Gel und nutze die Rast, um mir die abgerissenen Ecken einer dünnen Kunststofftüte über die die Socken an den Fusspitzen zu ziehen. Mir war so nicht richtig kalt – aber die Schuhe waren für diese Temperaturen doch ein wenig zu luftig und gerade bei den gelegentlichen Abfahrten pfiff da der Wind durch. Mit den Tüten wurde es ein wenig angenehmer.

…gewußt wie ;-)

Eine richtige Mittagspause machten wir gegen 13 Uhr in Riefensbeek, einem kleinen Ort hinter Clausthal-Zellerfeld. Hier hatten wir mit knapp 40 km ungefähr die Hälfte des heutigen Weges auf dem Devils Trail hinter uns. Richtig Hunger hatte ich nicht, ich quälte mir das Essen ab der Hälfte eher rein. Hinzugekommene Gäste fragten uns nach der Baustelle im Ort – aber wir kamen ja fast direkt aus dem Wald. Erst, als es für uns nach ca 1 Stunde weiter ging, wußten wir so richtig, was gemeint war: Seit fast 3 Jahren ist dieser Ort wohl fast eine Sackgasse, was man auch in der Wirtschaft merkte, wo wir rasteten.

Sowohl die Landstraße hinter dem Ort als auch die Staumauer des Sösestausees werden erneuert. Über die Staumauer führt eigentlich der Devils Trail. Wir standen vor dem Bauzaun und überlegten, wie wir wieder auf den Track kommen. Letztlich fanden wir eine Lücke im Bauzaun und konnten parallel zur Staumauer über eine Art Baustraße zur anderen Seite rüber. Dort ging es gleich einen rudimentär asphaltierten Weg gleich bergauf.

Bei der Gelegenheit muss man sagen, dass wir zwar den offiziellen Track des Devils Trail nutzten, uns aber nirgends angemeldet haben – das haben wir einfach übersehen. Daher können wir nicht mit Bestimmtheit sagen, ob man uns rechtzeitig einen aktualisierten Track mit einer Umfahrung für diese (und kommende Baustellen) geschickt hätte – beim Stoneman klappt das ja immer recht gut.

Dafür war der Devils Trail weitestgehend gut ausgeschildert. An den Abzweigungen waren die weißen Schilder mit einem roten, radfahrenden Teufel zu sehen. Ein Schild nach der Abbiegung, um zu kontrollieren, dass man auf dem richtigen Weg ist, gibt es hier aber nicht.

Der vor uns liegende Abschnitt war einer der steilsten, Komoot zeigt hierfür öfter mal 15% an. Einen Teil davon konnten wir auf Asphalt fahren, was es doch ein wenig erleichterte. Ein anderer Teil führte auf den Harz-typischen Schotterwegen entlang. Kurios war eine Stelle irgendwo beim großen Breitenberg (lt Komoot gibt es 2 Berge, die so heißen), wo nach einem Schotterabschnitt für uns recht plötzlich mitten im Wald auf einem Höhenzug wieder eine Asphaltstraße begann, recht ordentlich mit Bordstein und einem Schild, nicht auf dem Seitenstreifen zu parken. Hätte nur noch ein Gehweg gefehlt. Ansonsten schlug der Devils Trail hier den einen oder anderen Haken – wahrscheinlich, um noch ein besonders steiles Stück Weg mitzunehmen – aber bei diesem Namen war damit ja zu rechnen. Das Essen lag mir schwer im Magen, ich hatte fast eine Stunde zu tun, bis es mir da wieder besser ging.

Wir gelangten schließlich nach Hanskühnenburg, den höchsten Punkt des Tages. Auf der Komoot-Karte wird er mit 811m angezeigt, lt Komoot-Höhenprofil 824m. Goethe war vor uns auch schon da (1784) – aber wo war der alte Geheimrat noch nicht?

Was klingt wie ein Ort, ist im Grunde eine Hütte/Baude auf dem Gipfel. Hier kann man auch Pause machen und sein eBike aufladen – zumindest von einem früheren Besuch hier habe ich das so in Erinnerung, ich habe nicht kontrolliert, ob es noch eine Ladestation gibt – wir waren ja mit reiner Muskelkraft unterwegs.

Hier oben war wenig los, außer uns war draußen kein Mensch zu sehen. Es war mittlerweile 14:46 Uhr, der Himmel immer noch recht grau – aber zum Glück war es immer noch trocken. Wenn man auf einem Gipfel ist, geht es natürlich erstmal bergab, hier zunächst nur kurz weil noch ein kleiner (niedriger) Gipfel folgte, dann konnte man aber längere Zeit rollen lassen. Die Tüten über den Füßen machten sich bezahlt, auch hatte ich mittlerweile eine dünne Windjacke an.

Die Hälfte war wie erwähnt geschafft und langsam zählte man die verbleibenden Kilometer runter. Das ging allerdings langsamer als gehofft denn nach der längeren Abfahrt ging es natürlich auch wieder hoch. Es waren wieder so 15%, lt Komoot angeblich auch mal kurz 28% – aber die Anstiege waren nicht mehr so lang. Inzwischen fuhr natürlich Oli vorneweg und geriet öfter ausser Sichtweite.

Der letzte größere Gipfel sollte der Große Knollen werden. Hier leistete sich der Devils Trail dann doch einen Fauxpas: ca 300 m vor dem Gipfel hörte der Track plötzlich auf bzw führt zurück. Und das an einer “Kreuzung” . Geradeaus war es ein wenig bewachsener und ging es wohl wieder bergab. Nach rechts noch ein wenig bergauf. Das Schild vom Devils Trail zeigt nur nach unten, wo ich gerade herkam. Oli war gerade nicht zu sehen. Ich wählte rechts, wo es weiter bergauf ging. Nach einer langen Kurve war ich dann auf dem Gipfel mit den typischen Bauwerken für einen Berg. Ein Gebäude wofür auch immer, eine Antenne, ein Stempelkasten für die Wanderer.

Apropos Stempelkasten. Für Wanderer ist es seit langem üblich, an bestimmten Stationen ihr Wanderbuch mit Stempeln zu füllen. Ich kenne mich da nicht aus, bin auch Stoneman-verseucht. Für den Devils Trail soll man – um auf die offizielle Finsher-Liste zu kommen, Fotos vom Stempelteil des Tourbooks einsenden. 8 Stempel werden benötigt. Für mich – wie erwähnt Stoneman verseucht – keine gute Variante. Zum einen : ich habe kein Roadbook, müßte eins besorgen.

Zum anderen: Stempeln, diese fotografieren und einsenden? Recht kompliziert. Genügt nicht ein Link zum gefahrenen Devils Trail auf Komoot, Garmin, Strava oder wo auch immer? Dann die Stempelstellen: es werden wohl nicht alle benötigt, an denen man vorbei kommt. Aber selbst bei denen, wo man vorbei kommt: es fehlt ein Hinweis, eine Erinnerung: “Hier bitte stempeln wenn du auf der Devils Tour bist” – das vergisst man sonst oder bringt die Stempelstellen durcheinander. Trotzdem bin ich für eine Karte und Stanzen – wie halt beim Stoneman. Selbst da wäre noch der o.g. Fauxpas am Großen Knollen – der Track endet, ist auch nicht weiter ausgeschildert aber oben ist die Stempelstelle. Und statt einschicken könnte man die Stempelkarte auch in diversen Unterkünften kontrollieren lassen.

Vom Großen Knollen ging es nun hinab, Ziel Bad Lauterberg. Der letzte Anstieg lag nicht mehr auf dem Trail, sondern führte zur Villa Pangea, unserer Unterkunft für die kommende Nacht. An einer kleinen Baustelle vorbei ging es noch etwas steil bergauf. – das waren zusätzliche Höhenmeter. Die Villa ist eine Pension, die erst seit 2025 vom jetzigen Betreiber übernommen wurde. Dort angekommen mussten wir eine Nummer anrufen damit jemand kommt und uns den Schlüssel gibt.

Bei der Gelegenheit erfuhren wir, dass gerade Stromausfall ist, der aber bis 19 oder 20 Uhr behoben sein soll. Also machten wir uns zu Fuss auf dem Weg nach unten in den Ort, um zu Abend zu essen. Wir machten Halt im Kurhaus und bemerkten am Personal, dass das irgendwie mit der Villa Pangea zusammenhängen muss. Beim Bezahlen nach einem guten Essen erließ man uns wegen des Stromausfalls 2 Getränke. Allerdings hieß es auch, dass der Stromausfall doch länger dauern sollte. Zum Glück hatte Oli während des Essens sein Handy im Restaurant geladen.

Da sind die NH-Sicherungen bei der Villa noch raus…

Wieder in der Pension konnten wir die Räder in den “Aufenthaltsraum” bringen. Ausgestattet war dieser mit schweren Ledermöbeln in denen ich mir gut Zigarre rauchende, Whisky trinkende Menschen vorstellen kann. Wir duschten anschließend im Schein der Handys. Die Heizung blieb kalt – ohne Strom keine Heizung. Fazit Tag 1:

78,44 km, 1825 hm, Schnitt 11,1 km/h 7,05 Std Fahrzeit lt Strava, Komoot im Grunde identisch.

Tag 2 auf dem Devils Trail

Am nächsten Morgen: Strom war wieder da, die Heizung war warm, Licht ging. Auf dem Weg nach unten zum Frühstück duftete es schon nach Kaffee. Beim Frühstück erzählte die Chefin (?), dass man der Harz Energie erst mit Schadensersatz für die anderweitige Unterbringung ihrer Gäste drohen musste, damit der Fehler zeitnah repariert wird. Harz Energie wollte damit eigentlich noch etwas warten.

Nach dem Frühstück ging es wieder auf den Devils Trail. Diesmal habe ich gleich die Tüten über die Füße gezogen, es war eher kälter als am Vortag. Heute standen knapp 70 km auf dem Plan, der höchste Punkt des Tages würde gegen Ende des Tages auf uns zu kommen: der Wurmberg. Zunächst ging es auf den Ravensberg. Kurz vor dem Gipfel kamen 3 Gravelbiker locker plaudernd bei mir vorbei – während ich nur keuchend in die Pedale trat. Vom Ravensberg ging es gleich wieder runter. Es ging weiter Richtung Stöberhei.

…ich konnte in der Ferne nicht wirklich etwas erkennen

Zunächst bergab, dann natürlich wieder bergauf. Da Oli voraus fuhr, konnte er noch ein wenig mit den Gravelbikern reden, die auch auf dem Stöberhai fuhren und dort eine kleine Fotopause machten.

…ein schönes Rad

Auf dem Weg runter vom Stöberhai machten die Gravelbiker an einer Baustelle Pause – man kannte wohl die Leute dort. Für Oli und mich ging es auf dem Devils Trail weiter, zunächt Richtung Oder. Richtig gelesen: auch im Harz gibt es eine Oder. Wir fuhren also über die Staumauer der Odertalsperre, weiter in Richtung Sankt Andreasberg – ein Ort, der im Grunde den zweit- oder dritthöchsten Gipfel des Tages ausmacht.

Landschaftlich ist der Harz anders als das Erzgebirge. Ringsherum Flachland kommen ganz plötzlich Berge. Es geschieht nicht allmählich, wie im Erzgebirge, wo man sich bei der Anreise stets ein wenig höher schraubt. Im Harz passiert das abrupter. Andererseits kann man im Harz weiter schauen. die hohen Gipfel sind weiter voneinander entfernt, hinzu kommt der Borkenkäfer: große Teile der Wälder im Harz sind abgestorben. Nur noch die grauen, toten Baumstämme ragen in den Himmel – auch daher kann man weiter schauen, der Blicke bleibt nicht am nächsten Wald hängen sondern findet seinen Weg zwischen den abgestorbenen Stämmen hindurch in die Ferne, in die nächste Ebenen oder an den nächsten Berg.

Vor Sankt Andreasberg kamen wir auf den Matthias-Schmidt-Berg und somit am dortigen Bikepark vorbei. Bergab nahmen wir die blaue Piste. Was für ein Spass war das mal wieder. Sattelstütze runter und dann schön rollen lassen. Der obere Teil lag mir mehr – war halt einfacher. Der untere Teile war dann evtl doch ein Tick zu technisch zu mich, was mich zu einigen – für andere unnötige – Bremsungen verleitete. Ich glaube, eigentlich hätten wir zahlen müssen…

Hinter dem Bikepark nahmen wir zurück zum Devils Trail eine Abkürzung – allerdings führte das dazu, dass wir die Räder doch einen sehr schmalen und auch steilen Pfad hinauf schieben oder auch tragen mussten.

In Sankt Andreasberg machten wir eine längere Pause in einem etwas seltsamen Café. Innen edle geschnitzte Schränke, Kristallüster und vietnamesischer Kitsch. Kuchen und Torte und Vietnamesischer Kaffe mit viel gesüsster Sahne. Wir entschieden uns für normalen Kaffee und Kuchen und Apfelschorle. Oli hatte es heute eilig, er befürchtete den ganzen Tag, dass wir heute zu spät dran sind – also ging es schnell weiter. Beim fertig machen der Räder einmal nicht aufgepasst und schon fiel mein Rad gegen den Fahrradständer – Lackschaden am Oberrohr, Mist verdammter. Für den Lack gibt es laut Radhersteller keinen Lackstift… worauf soll man sonst noch so achten beim Radkauf?

Von Sankt Andreasberg ging es dann auf dem Devils Trail weiter Richtung Braunlage. Ich habe bis hierhin Braunlage immer wieder mit Torfhaus verwechselt… Von Braunlage ging es schließlich Richtung Wurmberg. Hier muss ich doch wieder Kritik an der Routenführung äußern: der Devils Trail führt hier auf dem Weg auf den Wurmberg, auf dem die Roller und Dreiräder Richtung Tal donnern. Das heißt in meinem Fall, dass ich mich Steigungen bis 20% langsam hochquäle. Nach 7 Stunden auf dem Rad ist man da nicht mehr so richtig fit und reaktionsschnell, bergauf bin ich da evtl. auch ein wenig wacklig und “kreuzte” gegen den Berg.

Und mir entgegen kommen Leute mit Rollern und tief liegenden Dreirädern, die so etwas zum 1. Mal fahren und ihr Gefährt oft auch nicht wirklich unter Kontrolle habe. Keine gute Kombination. Zum Glück war es bereits so spät, dass uns nur wenige Roller entgegen kamen, von Ferne hörte man die Durchsagen, dass es jetzt die letzte oder vorletzte Liftfahrt gibt.

Irgendwie habe ich es dann schließlich auf den Wurmberg geschafft. Die letzten 200 m musste ich allerdings laufen, für mich war es zu steil. Auf dem Wurmberg war ich dann doch etwas enttäuscht. Ein Lokal war vorhanden, eine Riesenrutsche – aber scheinbar kein Gipfelkreutz, kein Findling mit Höhenangabe. Also ließen wir uns wieder runterrollen und dabei sahen wir ca 200 m vom wohl höchsten Punkt ein großes Kreuz am Wegesrand, eher versteckt und mehr aus Brettern statt aus dicken Balken. Es stand da ein wenig uninspiriert am Rad. Bergab führte eine sanfte Abfahrt, wie sie mir gefällt. ich musste nur wenig bremsen. Wir überquerten auf einem kleinen Zwischenkam die ehamlige innerdeutche Grenze

und rollten dann weiter Richtung Schierke: 8 km einfach nur rollen lassen. Die Windjacke war daher wieder zu. Sonst ging es seit gestern ständig: bergauf Jacke auf, Trikot auf, bergab: Trikot zu, Jacke zu.

Unterkunft für die letzte Nacht war im Hotel Garni “Brockenscheideck”. Per Telefon bekamen wir den Code für den Schlüsselsafe. Die Räder nahmen wir wieder mit aufs Zimmer. Zum Essen gingen wir dann in den Ort und ein wenig bergab ins Brockenstübchen. Früher, mit den anderen Juten Jungs war es um Himmelfahrt hier immer so voll, dass wir nie einen Platz bekamen. Mit Oli hatte ich diesmal mehr Glück. Das Essen war übrigens bestens! Fazit Tag 2:

61,01 km, 1899 hm, Schnitt 9,5 km/h 7,03 Std Fahrzeit lt Strava, Komoot im Grunde identisch

Tag 3 auf dem Devils Trail

Ich beginne Tag 3 gleich mal mit der größten Kritik am Devils Trails: warum zum Teufel(!) führt der Devils Trail nicht auf den Brocken? Der höchste Berg der ganzen Gegend wird ausgelassen! Warum? Wir haben schon am Vorabend beschlossen: wir nehmen den Brocken mit. Also ging es gleicht Richtung Gipfel. Der Tag war sonnig, bestes Wetter, gute Sicht.

…da war Oli wohl noch hinter mir

Noch war es nicht zu warm. Wir nahmen hier die asphaltierte Straße. Zunächst ging es auch recht gut aber irgendwann zog Oli davon. Kurz vorher kam uns jemand entgegen, den Oli zu kennen meinte – via Strava stellte sich später heraus dass dem auch so war.

Auf den Brocken kam ich ohne abzusteigen, ich hatte das letzte Stück tatsächlich steiler in Erinnerung – meinen alten persönlichen Rekord konnte ich trotzdem nicht brechen. Auf dem Brocken ist es so, wie es sich gehört: großer Findling mit Höhenangabe, Markierungen, in welcher Richtung und welche Entfernung sich gößere Städte befinden. Und hier führt der offizielle Devils Trail nicht lang? …einfach unverständlich.

…2 schöne Räder
mussten wir auswendig können…

Bergab war es hier für mich doch stressig, die Bergab-Passagen waren mir zu steil, ich wurde zu schnell. Wenn meine Masse schiebt, dann schiebt sie. Also musste ich bremsen. Immer schön abwechselnd Vorderradbremse und Hinterradbremse. Vorne habe ich schon eine 203er Scheibe mit “Kühlblechen”, hinten eine 180er Scheibe ohne Kühlbleche an der Scheibe. Die hintere Scheibe wurde doch ein wenig blau – heiß auf jeden Fall. Ich kann jedenfalls nicht so schnell Wege runterfahren, die ich nicht einsehen kann, die ich nicht kenne. Vielleicht bin ich ich auch zu alt und zu ängstlich.

Es ging jedenfalls hinab Richtung Ilsenburg und irgendwann kamen mir die Wege auch immer bekannter vor – nur dass ich vor einigen Jahren hier hinauffuhr. “Fuhr” ist dabei wahrscheinlich gelogen, ich habe damals irgendwann mit Michael geschoben, es war mir zu steil oder zu lange zu steil. Vielleicht habe ich es auch mal fahrend geschafft – aber da erinnere ich mich nicht dran. Jedenfalls gelangten wir recht schnell nach Ilsenburg und kamen an unserer damaligen Unterkunft vorbei. Auch hier unten war strahlender Sonnenschein, etliche Menschen waren unterwegs. Der Devils Trail führte uns hier durch einige Gassen des malerischen Ortes, vorbei an dem kleinen See mit der Fontäne bis wir Ilsenburg wieder Richtung Norden nach Bad Harzburg verließen.

Laut Höhenprofil geht es jetzt nicht mehr richtig hoch. Dummer Weise nahm ich an, dass es deshalb auch keine großen Steigungen gibt – aber weit gefehlt… Steigungen gab es reichlich. die waren oft nicht weniger knackig, dafür in der Regel kürzer. Das machte die Sache nicht unbedingt besser. Wenn es nur kurz bergauf geht, geht es auch nur kurz bergab. Wir waren mittlerweile 2 Tage unterwegs, hatten 140 km und dank Brocken bereits ca 4200 hm in den Beinen. Eigentlich war es doch Zeit für die Heimfahrt. Das ständige auf und ab nervte schon ein wenig.

Dafür waren die (Misch-) Wälder jetzt dichter bzw sah man hier keine toten Bäume mehr. Das sorgte für ein wenig Abkühlung, direkt in der Sonne wäre es wohl schon zu warm. Auch der Single-Trail-Anteil war heut merklich höher. Die ersten beiden Tage fuhren wir den überwiegenden Teil auf Wegen, die auch mit Auto passierbar wären, jetzt waren es mehr und mehr schmale Pfade – sowohl bergauf als auch bergab. So gelangten wir nach Bad Harzburg. Dort machten wir im Park in der Nähe der Talstation Burgbergseilbahn eine Pause. Fleischkäs’-Brötchen, Apfelschorle und Kaffee standen auf dem Speiseplan.

Und wenn man schon in der Nähe einer Talstation ist…. geht es nach der Pause natürlich gleich wieder bergauf. Macht mir mit vollem Magen immer besonders viel Spaß… Eigentlich war es bis Goslar – dam Startpunkt unserer 3 Tage auf dem Devils Trail – nicht mehr weit, aber es zog sich. Die “kleinen” Steigungen nervten immer mehr, kurz vor Goslar – ich rechnete jeden Moment damit, an den Punkt zu gelangen, wo wir vor 2 Tagen auf den Track kamen, irrte mich hier aber sehr – gab es auch eine lange Steigung, die wir uns hochquälten. Auch Oli hatte mittlerweile die Nase ein wenig voll. Zum Glück war das Wetter nach wie vor bestens – sonst wäre es noch weniger zu ertragen. Das mag jetzt ein wenig dramatisch klingen aber am letzten Tag wollten wir dann wohl doch nur einfach wieder nach Hause.

Es folgte noch ein Bachdurchquerung, anschließend ein sehr steiler aber auch sehr kurzer Anstieg und dann waren wir schnell auf Asphalt. Hier folgten wir dann nicht mehr dem Devils Trail, Oli suchte stattdessen den direkten Weg zur Harz Lounge. Die Höhenmeter, die hier evtl noch dazugekommen wärenn haben wir locker durch dei Wege vom und zum Trail bzw auf den Brocken wett gemacht.

Tja, das war es dann auch “schon” auf dem Devils Trail. Am Auto hieß es, Räder verstauen, ein frisches T-Shirt anziehen und ab nach Hause. Bei Magdeburg standen wir ca 1 Stunde im Stau – da ging nichts mehr – aber wir waren noch im Hellen zu Hause.

Insgesamt eine schöne Tout mit den beschriebenen kleinen Schwächen. Bilanz von Tag3: 50,11 km, 331.105 hm ein Schnitt von 11,4 km/h

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